Fake-Anruf für mehr Sicherheit: nachts allein, im Uber und Taxi
Ein Fake-Anruf ist eine leise, konfliktfreie Art, beschäftigt und erwartet zu wirken. So nutzt du ihn auf dem Heimweg, im Uber oder wenn ein Fremder nicht lockerlässt, und wo seine Grenzen liegen.
BVon Baptiste Garcia
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Die kurze Antwort
Ein Fake-Anruf ist eine leise, konfliktfreie Art, beschäftigt und erwartet zu wirken. Das macht dich zu einem weniger attraktiven Ziel und gibt dir einen eleganten Grund, weiterzugehen oder dich zu entfernen. Am besten funktioniert er, wenn Sprechen ungefährlich ist: auf dem Heimweg, im Taxi oder Uber oder wenn ein Fremder einfach nicht lockerlässt. Mach den Anruf zu einem Signal, indem du laut sagst, wo du bist, wohin du gehst und wann du ankommst, und erwähnst, dass jemand deinen Standort im Blick hat. Er ist ein nützlicher Baustein in einem echten Sicherheitsplan, aber kein Ersatz für den Notruf oder einen stillen Notfallknopf.Die meisten öffentlichen Orte sind die meiste Zeit völlig sicher. Aber „meistens“ ist nicht „immer“, und wenn du im Dunkeln nach Hause gehst, allein Taxi fährst oder allein reist, kennst du die kleinen Überlegungen, die im Hinterkopf mitlaufen. Ein Fake-Anruf verändert nicht die Welt, aber er gibt dir etwas Nützliches: eine Möglichkeit, beschäftigt zu wirken, erwartet zu klingen und ruhig zu gehen, ohne je laut zu werden oder dich mit jemandem anzulegen.
Dass die Taktik viral ging, hat einen Grund. Auf TikTok und Threads machte ein Satz die Runde: Tu so, als würdest du telefonieren, und sag laut: „Ja, ich bin fast da, in zwei Minuten bin ich bei dir.“ Der Comedian Paul Scheer und der Arzt und Creator Jake Goodman MD haben den Trick beide öffentlich empfohlen, für mulmige Uber-Fahrten allein und für Momente, in denen man allein zu Fuß unterwegs ist. Er hat sich verbreitet, weil er einfach ist, nichts kostet und so wirkt wie jede gute Abschreckung: leise.
Macht ein Fake-Anruf dich wirklich sicherer?
Ehrlich gesagt: ja, mit einer wichtigen Einschränkung. Ein Fake-Anruf ist eine Abschreckung und ein konfliktfreier Ausweg, kein Schutzschild. Er wirkt über die Psychologie des Moments. Die meisten Menschen, die anderen in der Öffentlichkeit Unbehagen bereiten, suchen jemanden, der allein, abgelenkt und unbeachtet wirkt. Wenn du beschäftigt aussiehst und klar ist, dass dich bald jemand irgendwo erwartet, passt du nicht mehr in dieses Bild.
Es gibt zwei echte Effekte. Erstens die Abschreckung: Wer hört, dass eine Freundin nur noch zwei Minuten entfernt ist oder dass jemand deine Fahrt im Blick hat, muss davon ausgehen, dass du schnell vermisst wirst. Zweitens der Ausweg: Ein klingelndes Handy gibt dir einen gesellschaftlich akzeptierten Grund, ein Gespräch zu beenden, die Richtung zu wechseln oder in einen Laden zu gehen, ohne das Unbehagen oder das Risiko eines „Lass mich in Ruhe“. Dieselbe Logik steckt hinter unserem Ratgeber, wie du aus unangenehmen Situationen rauskommst, nur dass hier mehr auf dem Spiel steht.
Und hier die Einschränkung, klar ausgesprochen, weil sie wichtig ist: Ein Fake-Anruf ersetzt nie einen Anruf beim Notruf 112 oder bei der Polizei unter 110. Wenn du wirklich in Gefahr bist, geht echte Hilfe vor. Ein Fake-Anruf ist eine zusätzliche Ebene neben gut beleuchteten Wegen, geteiltem Standort und deinem Bauchgefühl, kein Ersatz dafür.
Wie nutzt du einen Fake-Anruf, wenn du nachts allein unterwegs bist?
Auf dem Heimweg geht es darum, kein leichtes Ziel abzugeben. Du willst beschäftigt, erwartet und aufmerksam aussehen. Ein geplanter Fake-Anruf schafft das, ohne dass du herumfummeln oder etwas vorspielen musst: Er klingelt auf die Minute, du nimmst ab und hast einen glaubwürdigen Grund, wach und im Gespräch zu sein.
Der virale Satz ist nicht ohne Grund viral. Sag ihn laut genug, dass andere ihn hören:
- „Ja, ich bin fast da, in zwei Minuten bin ich bei dir.“ Das signalisiert, dass jemand wartet und die Minuten zählt.
- „Ich bin jetzt in der Lindenstraße, wir treffen uns am Kiosk an der Ecke.“ Das verortet dich an einem echten Ort, den noch jemand kennt.
Kombiniere den Anruf mit den Grundregeln, die der britische Suzy Lamplugh Trust empfiehlt: Plane deine Route, bevor du losgehst, nimm lieber gut beleuchtete, belebtere Straßen, auch wenn der Weg länger dauert, und vertrau deinem Bauchgefühl, sobald sich etwas falsch anfühlt. Wenn du den Eindruck hast, dass dir jemand folgt, gibt dir der Anruf Deckung, um die Straßenseite zu wechseln, umzukehren oder in einen Laden zu gehen, während es aussieht, als würdest du einfach nur plaudern. Dein Bauchgefühl ist nicht paranoid, es ist ein Sensor, und ein Fake-Anruf lässt dich darauf reagieren, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
Kannst du auch im Uber oder Taxi einen Anruf vortäuschen?
Ja, und für diesen Fall gibt es sogar eine offizielle Empfehlung. RAINN, die größte Organisation gegen sexualisierte Gewalt in den USA, rät ausdrücklich dazu, bei einer Fahrdienst-Fahrt einen Anruf vorzutäuschen und dabei laut und deutlich zu sagen, wo du bist und wohin du fährst. Es geht nicht darum, unhöflich zu deinem Fahrer zu sein: Die allermeisten sind völlig harmlos. Es geht darum, dass bei der seltenen schlechten Fahrt ein paar mitgehörte Sätze jemandem mit bösen Absichten einen Strich durch die Rechnung machen.
Bau den Anruf in die übliche Checkliste für Taxi und Fahrdienste ein:
- Prüf Auto und Fahrer, bevor du einsteigst: Kennzeichen, Marke, Modell und das Foto des Fahrers müssen zur App passen.
- Setz dich nach hinten, am besten hinter den Beifahrersitz, damit du Abstand und eine freie Tür hast.
- Teile deine Fahrt über die App mit einer Vertrauensperson, damit jemand deine Route live verfolgen kann.
- Täusch einen Anruf vor, wenn sich etwas komisch anfühlt, und sag dabei, wo du bist und wohin du fährst.
Wenn sich eine Situation falsch anfühlt, schuldest du niemandem eine Erklärung. Bitte darum, an einem belebten, öffentlichen Ort aussteigen zu dürfen, oder bleib in deinem Fake-Anruf, bis du an einem Ort ankommst, den du selbst gewählt hast. Diesem Instinkt zu vertrauen, darum geht es. Die komplette Checkliste über den Anruf hinaus findest du in unseren Sicherheitstipps für Uber und Taxi.
Was sagst du bei einem Fake-Anruf für deine Sicherheit?
Hier kommt der Dreh, der aus einer Requisite ein Werkzeug macht. Bei einem Fake-Anruf für deine Sicherheit geht es nicht nur darum, beschäftigt auszusehen, sondern darum, hörbar zu machen, dass jemand weiß, wo du bist. Sag laut, was sich ein Zeuge merken sollte. Stell es dir wie ein Peilsignal vor, das du laut aussprichst.
Bau vier Informationen in das Gespräch ein, laut und ganz natürlich:
- Dein Standort: „Ich gehe gerade die Hauptstraße hoch Richtung Bahnhof.“
- Dein Ziel: „Ich komme zum Eingang am Stadtpark.“
- Deine Ankunftszeit: „Dauert ungefähr acht Minuten, ist kaum Verkehr.“
- Dass jemand dich im Blick hat: „Du siehst meinen Standort, oder? Gut, behalt ihn im Auge.“
Für noch mehr Glaubwürdigkeit erwähnst du, was du anhast oder in welchem Auto du sitzt („silberner Kombi, Kennzeichen endet auf 429“). RAINN empfiehlt genau diese Art von Details, weil sie unmissverständlich zeigen, dass eine andere Person weiß, wo du bist und wie du aussiehst. Wenn dir das Formulieren unter Druck schwerfällt, musst du nicht improvisieren. Unser kostenloser Skript-Generator für Fake-Anrufe baut dir ein glaubwürdiges Gespräch, das du vorher üben kannst, damit die Worte ruhig rauskommen, wenn es darauf ankommt.
Was tun bei Belästigung auf der Straße oder wenn dir jemand folgt?
Der Impuls, zurückzuschimpfen, ist menschlich, aber Fachleute für Sicherheit im öffentlichen Raum sind sich da einig: Wenn möglich, geh weiter und zieh dich zurück, statt dich darauf einzulassen. Ein Fake-Anruf ist einer der elegantesten Auswege ohne Konfrontation überhaupt. Du vermeidest Blickkontakt, zeigst, dass du beschäftigt bist, und hast einen Grund, deinen Weg zu ändern, ohne dass etwas eskaliert.
Praktische Strategien, die sich bewährt haben:
- Geh zu Menschen hin, nicht von ihnen weg. Steuere eine belebte, gut beleuchtete Straße an, einen offenen Laden, eine Hotellobby oder eine Gruppe von Passanten statt einer ruhigen Abkürzung.
- Nutz den Anruf, um die Richtung zu ändern. „Ach, du bist schon drin? Ich komm rein“ ist ein ganz natürlicher Grund, ein Lokal zu betreten und den Kontakt abzubrechen.
- Du musst nicht höflich sein. Jemanden zu ignorieren, der dir hinterherruft, ist nicht unhöflich, sondern eine legitime, sichere Reaktion. Dein Wohlbefinden zählt mehr als die Gefühle eines Fremden.
- Erst an einen sicheren Ort, dann einschätzen. Sobald du unter Menschen bist, kannst du entscheiden, ob du abwartest, jemanden wirklich anrufst oder das Personal um Hilfe bittest.
Den rechtlichen Punkt wiederholen wir gern, weil sich viele darüber Gedanken machen: Ein Fake-Anruf ist eine lokale Simulation auf deinem eigenen Handy. Er ist kein Rufnummern-Spoofing, er gibt sich nicht als jemand anderes aus und schadet niemandem. Er gehört in dieselbe harmlose Kategorie wie ein gestellter Wecker. Die Sonderfälle behandeln wir in unserem Ratgeber dazu, ob Fake-Anruf-Apps legal sind.
Und wenn du allein reist oder im Ausland Taxi fährst?
Allein zu reisen ist eines der besten Dinge, die du für dich tun kannst, und ein paar Gewohnheiten sorgen dafür, dass es so bleibt. Im Ausland gibt es Fahrdienst-Apps vielleicht nicht, die Sprache kann eine Hürde sein, und du weißt nicht immer, welche Straße welche ist. Ein Fake-Anruf funktioniert trotzdem, denn seine Glaubwürdigkeit hängt nicht davon ab, dass dein Gegenüber auch nur ein Wort versteht. Wenn du allgemein ins Ausland reist, findest du in unserem Ratgeber zu Fake-Anrufen für mehr Sicherheit auf Reisen die Szenarien, die speziell für Alleinreisende gelten.
Ein paar Kniffe aus dem Repertoire von Alleinreisenden:
- Erfinde jemanden, der auf dich wartet. Eine gängige „Sicherheitslüge“ ist ein Partner oder eine Freundin, die am Ziel wartet. „Mein Mann ist schon im Hotel, ich sag ihm, dass wir in fünf Minuten da sind“ funktioniert, auch wenn es diese Person gar nicht gibt.
- Bleib in Kontakt, wenn es keinen Fahrdienst gibt. Nimm ein offiziell zugelassenes Taxi, fotografier das Kennzeichen und schick das Foto jemandem zu Hause, bevor du losfährst.
- Sag den Namen des Hotels und das Viertel laut in deinem Fake-Anruf, damit der Fahrer merkt, dass du weißt, wohin es geht, auch wenn du gerade erst in der Stadt angekommen bist.
Eine ehrliche Grenze: Wenn dein Handy gesperrt ist und keine Verbindung hat, ist ein Anruf, der mehr als 30 Sekunden im Voraus geplant ist, weniger zuverlässig. Im Funkloch löst du stattdessen einen Sofortanruf aus. Der Fake-Anruf ist eine Abschreckung, die du steuerst, keine Garantie.
Wann ist ein Fake-Anruf das falsche Mittel?
Das ist der wichtigste Abschnitt, deshalb steht er bewusst am Ende. Ein Fake-Anruf ist das richtige Mittel, wenn Sprechen ungefährlich ist. Es gibt Momente, in denen das nicht so ist, und mit dem falschen Mittel kann es schlimmer werden.
In manchen Situationen kann Reden, oder schon das sichtbare Greifen zum Handy, eine Bedrohung verschärfen. Genau dafür gibt es stille Notfallknöpfe. Eine App wie Noonlight lässt dich Hilfe holen, ohne ein Wort zu sagen: Du hältst einen Knopf gedrückt, und wenn du nicht bestätigen kannst, dass du in Sicherheit bist, schickt sie Hilfe an deinen Standort. Keine Show, kein Gespräch, keine Gefahr, jemanden zu provozieren. Für Momente, in denen Schweigen sicherer ist als Reden, ist das das bessere Mittel. Noonlight ist auf die USA ausgerichtet. In Europa erreichst du auf dem iPhone über Notruf SOS schnell die 112: Halte dazu die Seitentaste und eine der Lautstärketasten gedrückt.
Stell dir deine Sicherheitsausrüstung also in mehreren Ebenen vor, jedes Mittel für einen bestimmten Moment:
- Fake-Anruf: wenn Sprechen ungefährlich ist und du beschäftigt, erwartet und bereit zum Gehen wirken willst.
- Stiller Notfallknopf: wenn Reden die Lage verschärfen könnte und du lautlos Hilfe brauchst.
- Live-Standort teilen: läuft immer im Hintergrund, damit eine Vertrauensperson dich findet, egal zu welchem Mittel du greifst.
- Notruf 112 oder Polizei 110: sobald eine Bedrohung real ist.
So eingesetzt, hat ein Fake-Anruf seinen festen Platz. Er deckt die häufigen, weniger dramatischen „Ich will einfach nur weg“-Momente ab, aus denen der Alltag größtenteils besteht, genau die, um die es in unserem Ratgeber geht, wie du mit einem Fake-Anruf ein schlechtes Date verlässt, und in unserem ausführlichen Sicherheitsratgeber fürs erste Date. Wenn du spüren willst, wie überzeugend ein gut getimter Anruf sein kann, bevor du ihn je brauchst, probier unsere kostenlose Fake-Anruf-Demo im Browser aus.
Quellen und weiterführende Links
- RAINN: Tips for Safer Ridesharing: der Sicherheitsratgeber von RAINN für Fahrdienste (auf Englisch), der empfiehlt, einen Anruf vorzutäuschen und dabei Standort und Ziel klar zu nennen.
- Suzy Lamplugh Trust: Personal safety out and about: Tipps (auf Englisch) zur Planung deines Wegs, zu gut beleuchteten Routen und dazu, deinem Bauchgefühl zu vertrauen, wenn du glaubst, dass dir jemand folgt.
- WhistleOut: Noonlight, The Panic Button App Every Woman Should Have Before Her Next Trip: ein Ratgeber (auf Englisch) dazu, wie ein stiller Notfallknopf in Momenten funktioniert, in denen Reden eine Bedrohung verschärfen könnte.
- Streetwise Defence: How to Deal with Street Harassment, Practical Strategies That Work: praktische Strategien (auf Englisch) gegen Hinterherrufen, Verfolgen und Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Fake-Anruf ist Abschreckung und konfliktfreier Ausweg zugleich, nützlich, wenn Sprechen ungefährlich ist, aber nie ein Ersatz für den Notruf 112.
- RAINN empfiehlt offiziell, bei einer Fahrdienst-Fahrt einen Anruf vorzutäuschen und dabei laut Standort und Ziel zu nennen.
- Mach den Anruf zum Signal: Sag, wo du bist, wohin du willst, wann du ankommst und dass jemand deinen Standort im Blick hat.
- Wenn Reden eine Bedrohung verschärfen könnte, ist ein stiller Notfallknopf das bessere Mittel. Bau dir also eine Routine aus mehreren Ebenen, inklusive Standortfreigabe.